Militärpfarrer in Rumänien: Gottesdienst unter dem Schatten des Kriegs

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Pater Stefan Havlik segnete Adventskranz auf rumänischer Luftwaffenbasis, verbindet Sigmaringen mit Militärseelsorge und Einsatzgeschichte.

Pater Stefan Havlik segnete Adventskranz auf rumänischer Luftwaffenbasis, verbindet Sigmaringen mit Militärseelsorge und Einsatzgeschichte.
Pater Stefan Havlik segnete Adventskranz auf rumänischer Luftwaffenbasis, verbindet Sigmaringen mit Militärseelsorge und Einsatzgeschichte.

Militärpfarrer in Rumänien: Gottesdienst unter dem Schatten des Kriegs

Wie feiert man Weihnachten unter den besonderen Umständen eines Auslandseinsatzes? Diese Frage stellte sich für Pater Stefan Havlik, der vor kurzem auf der rumänischen Luftwaffenbasis Constanța tätig war. Mit einem Adventskranz segnete er in den letzten Tagen seine Sigmaringer Gemeinden und blickte dabei auf eine intensive Einsatzzeit zurück. Havlik war als einziger Priester vor Ort, wo er gemeinsam mit ca. 170 Soldaten, die Eurofighter der Bundeswehr überwachen, aktiv war. Diese Truppe ist Teil eines NATO-Kontingents, das den rumänischen Luftraum absichert, der in unmittelbarer Nähe zur Krim liegt, einem Gebiet, das Russland annektiert hat. Die Soldaten sind auf mögliche Konflikte vorbereitet und Pater Havlik ist dabei eine wichtige Stütze.

Doch was macht Havlik genau im Einsatz? Er lebt in einem Container, hat immer ein offenes Ohr für die Soldaten und bietet ihnen Gespräche, Gottesdienste und geistliche Unterstützung an. Die Militärseelsorge spielt eine entscheidende Rolle für die seelsorgerische Betreuung der Soldaten und ihrer Familien, ein Aspekt, der durch die Arbeit von Pater Havlik besonders deutlich wird. So erwähnt er, dass Gespräche oft zu einem passenden Zeitpunkt stattfinden müssen – gerade vor dem Start der Flugzeuge, wenn die Soldaten besonders angespannt sind. Das zeigt, dass die Militärseelsorge weitaus mehr ist als nur ein Angebot während der Feiertage; sie ist eine dauerhafte und aktive Unterstützung im Alltag der Soldaten.

Hintergrund der Militärseelsorge

Die Militärseelsorge, auch „MilSeels“ genannt, ist ein ziviler Bereich der Bundeswehr und unterteilt sich in evangelische, katholische und jüdische Gemeinschaften. Mehr als die Hälfte der Soldaten in Deutschland kamen 2020 aus einer christlichen Kirche, wie auf Wikipedia nachzulesen ist. Wichtig zu betonen ist die breite Unterstützung, die Militärseelsorger bieten, sei es in Auslandseinsätzen oder bei der Echo des Dienstes im Heimatland. Jährliche Soldatenwallfahrten nach Lourdes und regionale Gottesdienste sind fester Bestandteil ihrer Arbeit.

Die Bedeutung der Militärseelsorge wird auch von Eva Högl, der Wehrbeauftragten des Bundestags, hervorgehoben, die die wichtige Rolle dieser Seelsorger für die Soldaten betont. In ihrem Jahresbericht 2024 beschreibt sie, dass 91 % der Soldatinnen und Soldaten die Militärseelsorge unterstützen. Im Ausland sind es sogar beeindruckende 95 %. Solche Zahlen verdeutlichen, wie sehr die Soldaten auf diese seelsorgerische Unterstützung angewiesen sind, unabhängig von ihrem Glauben oder ihrer Religion, was zeigt, dass die Angebote auf viele Bedürfnisse abgestimmt werden müssen.

Seit 2018 ist Pater Havlik Militärpfarrer und hat zuvor Erfahrungen bei der Marine in Weyarn und Wilhelmshaven gesammelt. Auch wenn er im Einsatz einen Schutzanzug trägt, bringt er doch viel von seinem spirituellen Wissen ein, um den Soldaten in ihrer speziellen Situation beizustehen. Während seines Aufenthalts haben sich auch historische Verbindungen zwischen Sigmaringen und Rumänien ergeben, die er den Soldaten näherbrachte, und die Bedeutung der Donau unterstrichen.

Zum Ende des Jahres wurde Pater Havlik vor Weihnachten von einem evangelischen Kollegen abgelöst. Dieser feierte die Christmette in Sigmaringendorf, während Havlik seinen Einsatz auf der Basis beendete. Notwendige Begleitdienste für die Soldaten, ob bei Festen oder in Krisensituationen, bleiben weiterhin ein zentraler Bestandteil seiner Arbeit. Vielfältige Aufgaben warten auf die Militärseelsorger, die nicht nur spirituelle, sondern auch gesellschaftliche Themen mit den Soldaten besprechen.

Militärseelsorge ist eine tief verwurzelte Institution in der Bundeswehr und wird vom Staat finanziert, während die Religionsgemeinschaften für den Inhalt zuständig sind. Ein ausgebautes Netzwerk ist nötig, um diesen besonderen Dienst für alle Soldatinnen und Soldaten weiter zu stärken, besonders wenn es um neue Planungen wie der muslimischen Militärseelsorge geht, die in naher Zukunft eingeführt werden soll.