Jüdischer Friedhof in Tiengen: Erinnerungsstelen nach 87 Jahren eingeweiht!
In Tiengen wurde am 10.11.2025 ein jüdischer Friedhof mit 20 Stelen symbolisch wiederbelebt, um an die Reichspogromnacht zu erinnern.

Jüdischer Friedhof in Tiengen: Erinnerungsstelen nach 87 Jahren eingeweiht!
Im Herzen von Waldshut-Tiengen wird Geschichte wieder lebendig. Der jüdische Friedhof, der seit almost 90 Jahren nach seiner Zerstörung durch die Nationalsozialisten als solcher kaum noch erkennbar war, erhielt nun eine bedeutende Wiederbelebung. Dies wurde am Sonntag, dem 9. November 2025, im Rahmen einer feierlichen Gedenkveranstaltung anlässlich der Reichspogromnacht 1938 gefeiert. Bei dieser Gelegenheit wurden 20 markante Metallstelen in Grabsteinform eingeweiht, die symbolisch für die zerstörten Grabsteine stehen. So berichtet der Südkurier über die gelungene Instandsetzung.
Rund 200 Menschen versammelten sich, um der Opfer der Pogrome zu gedenken. Oberbürgermeister Martin Gruner nahm dabei kein Blatt vor den Mund und sprach über die Verantwortung von Macht und die tragische Geschichte, die der jüdische Friedhof verkörpert. Er erinnerte an Wilhelm Gutmann, einen Amtsvorgänger, der seine Macht missbraucht hatte. Auch Landrat Martin Kistler hob hervor, wie wichtig Erinnerungsorte für die Gesellschaft heute sind.
Der Entstehungsprozess der Stelen
Das Stelenprojekt wurde vom Verein Jüdisches Leben Waldshut-Tiengen initiiert und erhielt maßgebliche Unterstützung von Schülern der Gewerbeschule Waldshut sowie dem städtischen Bauhof. Gebhard Kaiser, Vorsitzender des Freundeskreises Jüdisches Leben, stellte den zweijährigen Entstehungsprozess vor, der hinter der Umsetzung dieser Stelen steckt. „Der Friedhof soll wieder ein Gesicht bekommen“, so seine Worte. Die Stelen erinnern nicht nur an die Verstorbenen, sondern sollen auch die Totenruhe, die während der Reichspogromnacht gestört wurde, wiederherstellen.
Es ist bemerkenswert, dass die Anordnung der Stelen in vier Reihen mit den Nachfahren der Tiengener Juden abgestimmt wurde. Da der genaue Standort der Gräber unbekannt ist, wurden die 20 Stelen aus unbehandeltem Stahl bewusst gestaltet, um im Lauf der Zeit Rost anzusetzen. Dies ist ein Zeichen der Vergänglichkeit und ein eindringlicher Hinweis auf die tragische Vergangenheit der jüdischen Gemeinde in Waldshut-Tiengen.
Eine Gedenkfeier von Emotionen und Erinnerungen
Die Gedenkveranstaltung wurde durch musikalische Darbietungen, Gebete und Lesungen umrahmt. Der emotionale Höhepunkt war das Vortragen des Kaddisch-Gebetes durch René Loeb und die musikalische Einlage von Klarinettistin Lena Wiegand. Beides trug zur bewegenden Atmosphäre bei, die alle Anwesenden tief berührte.
Die Relevanz des jüdischen Friedhofs und die Bedeutung der Gedenkstätte ist heute wichtiger denn je. Im 18. Jahrhundert lebten rund 200 bis 300 jüdische Menschen in Waldshut-Tiengen, was einen beachtlichen Anteil von etwa 15 Prozent der Bevölkerung ausmachte. Doch während der Reichspogrome waren nur mehr zehn Jüdinnen und Juden in der Stadt anzutreffen. Diese tragische Geschichte wird nun durch die neuen Stelen in die Öffentlichkeit getragen und in das Gedächtnis der Stadt eingraviert.
Der Zugang zum jüdischen Friedhof bleibt geregelt. Ein Schlüssel ist in der Touristinfo Waldshut sowie im Bürgerbüro in Tiengen erhältlich, denn auch heute erfordert der Besuch Fingerspitzengefühl und Respekt gegenüber der Geschichte. Jüdische Gräber sind traditionell nach Osten in Richtung Jerusalem ausgerichtet, und Besucher sollten sich der kulturellen Gepflogenheiten bewusst sein. Eine unschätzbare Gelegenheit, die eigene Beziehung zur Geschichte zu bewerten und die Erinnerung an die Verstorbenen aufrechtzuerhalten.
Dank solcher Initiativen wird das jüdische Erbe in Waldshut-Tiengen wieder greifbar, und der Friedhof erhält durch die Metallstelen ein neues und wichtiges Gesicht, das die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Früher in die Gegenwart transportiert. Wie der SWR betont, leitet dies nicht nur eine Aufarbeitung der Vergangenheiten ein, sondern trägt auch zur Sensibilisierung der jüngeren Generationen bei, die oft noch wenig von der Reichspogromnacht gehört hatten.