Leerstand am Rekord-Hochhaus: Wie geht's weiter mit dem Siemens-Gebäude?

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Das Siemens-Hochhaus in München-Sendling, einst das höchste Gebäude, steht leer. Jetzt droht eine Nutzungänderung für Hotelbau.

Das Siemens-Hochhaus in München-Sendling, einst das höchste Gebäude, steht leer. Jetzt droht eine Nutzungänderung für Hotelbau.
Das Siemens-Hochhaus in München-Sendling, einst das höchste Gebäude, steht leer. Jetzt droht eine Nutzungänderung für Hotelbau.

Leerstand am Rekord-Hochhaus: Wie geht's weiter mit dem Siemens-Gebäude?

Das Siemens-Hochhaus in der Baierbrunner Straße 54, das einst stolz als das höchste Bürogebäude Münchens galt, hat in den letzten Jahren eine traurige Wandlung durchgemacht. Eröffnet im Jahr 1963 und gestemmt von dem Architekten Hans Maurer, diente das stattliche 75 Meter hohe Gebäude als Hauptsitz der Siemens-Schuckertwerke. Nach dem Auszug des Unternehmens im Jahr 2006 steht das imposante Bauwerk jedoch leer und ist stark verfallen. Fenster sind undicht, und die Eingänge wurden zugebaut, wodurch das Hochhaus seinem einstigen Glanz nicht nur optisch, sondern auch historisch beraubt wurde. Wie die tz berichtet, hat das Gebäude gravierende Mängel und viele Passanten sind sich der Geschichte, die hinter den verfallenen Mauern steckt, gar nicht bewusst.

Im März 2023 verabschiedete der Münchner Stadtrat einen Bebauungsplan, der eine umfassende Sanierung und Anbauten für Büroflächen vorsah. Doch anstatt den ursprünglichen Plan umzusetzen, hat die Eigentümerin, die Schweizer Immobilienfirma Empira, neue Ambitionen entwickelt. Statt Büros sollen nun ein Hotel und ein Boardinghaus entstehen. Diese Pläne stehen jedoch im Widerspruch zum bestehenden Bebauungsplan, aus dem die Stadt nun entscheiden muss, ob sie diesen durchsetzen oder den neuen Vorschlägen nachgeben will, um weiteres Leerstehen zu vermeiden. Die Situation gestaltet sich als delikat, zumal das Hochhaus unter Denkmalschutz steht, was eine zusätzliche Komplexität in die Planung bringt.

Historische Bedeutung und Wandel

Die Baugeschichte des Siemens-Hochhauses ist reich an Wendungen. Ursprünglich als Teil eines größeren Projekts geplant, das zwei weitere Hochhäuser umfassen sollte, wurde der Bau durch ein Bürgerbegehren im Jahr 2004 gestoppt. Es folgten mehrere Eigentümerwechsel, die das Gebäude vor dem vollständigen Verfall bewahrten, jedoch auch die Nutzung stetig veränderten. So wurde 2015 ein Architektenwettbewerb für eine Umnutzung zu Wohngebäuden durchgeführt, der allerdings nicht zum Ziel führte. Unter dem Namen „South One“ sollten 270 Wohnungen entstehen, doch auch dieses Vorhaben wurde 2018 eingestellt.

Im Jahr 2021 legte das Architektenbüro Henn einen Vorentwurf für eine grundlegende Sanierung vor, der die ursprüngliche Büro Nutzung bewahren wollte. Allerdings stellte sich bereits damals die Frage nach dem Erhalt des Denkmalstatus, der bei den laufenden Änderungen auf der Kippe steht. Dies führt die Verantwortlichen und die Stadt vor große Herausforderungen, denn in Deutschland gehen täglich Denkmäler verloren, was häufig unbemerkt geschieht, wie eine aktuelle Studie aufzeigt. Ein als „Schwarzbuch der Denkmalpflege“ bekanntes Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, solch gefährdete Denkmale zu dokumentieren und auf ihre besondere Bedeutung hinzuweisen.

Was wird aus dem Denkmal?

In der derzeitigen Situation gilt es abzuwägen: Setzt die Stadt auf das alte Bauvorhaben, um ein Stück Geschichte zu bewahren, oder wird dem Kommerz der Vorzug gegeben, indem man dem neuen Hotel-Projekt nachgibt? Dies bleibt abzuwarten. Das Siemens-Hochhaus, das in den 90er Jahren bei seiner Fertigstellung als ein Paradebeispiel moderner Architektur galt, könnte das Eindringen von Neuem gut vertragen – jedoch ohne die Geschichte und die architektonische Identität zu opfern, die es so besonders macht. Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Hochhaus weiterhin ein Symbol der verlorenen Zeit bleibt oder einen neuen Platz in der modernen Stadtgestaltung findet.

tz berichtet, dass die Stadt nun vor einer wegweisenden Entscheidung steht, während Wikipedia die bewegte Geschichte und den Erhalt des Denkmalstatus beschreibt. Zudem gibt das Schwarzbuch der Denkmalpflege Aufschluss über das Schicksal von geschützten Gebäuden in Deutschland.