Am 16. April 2026 hat der Lufthansa-Vorstand die sofortige Stilllegung der CityLine verkündet. Diese Entscheidung trifft rund 1.300 Mitarbeiter, darunter Pilotinnen, Piloten, Stewardessen, Stewards und technisches Personal, die nun freigestellt wurden. Diese Maßnahme kommt nicht von ungefähr, denn hohe Kerosinpreise und aktuelle Streiks bei der Lufthansa-Tochter haben die Situation weiter verschärft. Ursprünglich war die Schließung der CityLine erst für Ende 2027 geplant.

Der Vorstand informierte die Mitarbeiter in einer internen Mitteilung über die sofortige Betriebseinstellung. Fabian Schmidt, ein Mitglied des Managements, erklärte, dass die Gesellschaft nicht mehr wettbewerbsfähig sei und hohe Stückkosten sowie ineffiziente Operationen vorlägen. Diese Problematik führte zur Kündigung der Aufträge von Lufthansa Classic und Lufthansa Cargo. Die Schließung war also nicht plötzlich, sondern eine Entwicklung, die sich bereits seit längerem abzeichnete.

Streiks und Reaktionen

Am 15. April, einen Tag vor der Ankündigung, demonstrierten über tausend streikende Lufthansa-Beschäftigte vor der 100-Jahresfeier des Konzerns in Frankfurt. Das gesamte Personal der CityLine hatte sich an den Streikaktionen von etwa 25.000 Beschäftigten von Lufthansa Classic, Lufthansa Cargo und Eurowings beteiligt. Die Streikbereitschaft unter den Beschäftigten ist hoch, mit 94 % bei Lufthansa und fast 99 % bei CityLine. Über 3.000 Flüge wurden in Frankfurt aufgrund dieser Streiks annulliert.

Ein Arbeitsrechtler bezeichnete die Schließung der CityLine als „Paukenschlag“ und rechnet mit einer Eskalation des Arbeitskampfs. Die Gewerkschaften UFO und VC, die in der Vergangenheit Tarifverträge mit der Lufthansa ausgehandelt hatten, die schlechtere Konditionen boten, haben sich bisher nicht dazu geäußert, einen prinzipiellen Arbeitskampf um jeden Arbeitsplatz zu führen. UFO äußerte Entsetzen über die Schließung der CityLine und sprach von einem „offenen Krieg“ gegen die eigenen Mitarbeiter.

Finanzielle Zwänge

Lufthansa plant aufgrund der aktuellen Krise, die durch gestiegene Kerosinkosten und geopolitische Instabilität verschärft wurde, auch eine Reduzierung der Kapazitäten bei der Kernmarke. Finanzvorstand Till Streichert erklärte, dass die Maßnahmen zur Stilllegung der CityLine unumgänglich seien, um die Verluste der defizitären Fluggesellschaft zu reduzieren. Insgesamt werden 27 operative Flugzeuge von Lufthansa CityLine aus dem Programm genommen, da sie kurz vor Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit stehen und hohe Betriebskosten verursachen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Zusätzlich plant Lufthansa, ab Herbst sechs ältere Langstreckenflugzeuge auszuflotten und das Angebot auf Kurz- und Mittelstrecke um etwa fünf Flugzeuge zu reduzieren. Währenddessen soll die Tochtergesellschaft Discover schneller mit neuen Airbus-A350-Jets expandieren. Allen Beschäftigungsgruppen der CityLine wurden Anschlussbeschäftigungen angeboten, und Lufthansa plant Gespräche zu Interessenausgleich und Sozialplan mit den Betriebspartnern der CityLine.

Die Situation zeigt, dass der Luftfahrtmarkt zunehmend unter Druck steht. Mit einem Aufsichtsratsvorsitzenden, der eine Neuregelung des Streikrechts fordert, und milliardenschweren Aktionären, die sich in die Streikfragen einmischen, wird die Lage für die Mitarbeiter nicht einfacher. Die Beschäftigten sind aufgerufen, sich in unabhängigen Aktionskomitees zu organisieren, um ihren Standpunkt klar zu vertreten und sich gegen diese Entwicklungen zu wehren.