Ärzte im Aufstand: Forderung nach fairer Zeiterfassung abgelehnt!
Der Marburger Bund Niedersachsen kritisiert die mangelhafte elektronische Arbeitszeiterfassung in Kliniken und fordert tarifkonforme Lösungen.

Ärzte im Aufstand: Forderung nach fairer Zeiterfassung abgelehnt!
In den letzten Monaten hat der Druck auf Universitätskliniken in Deutschland zugenommen, ihre Arbeitszeiterfassungen gesetzeskonform zu gestalten. Andreas Hammerschmidt, der Zweite Vorsitzende des Marburger Bundes Niedersachsen, bezeichnet die aktuelle Situation als ein strukturelles Versagen. Krankenhausärzt*innen fühlen sich häufig rechtlos und müssen Überstunden leisten, ohne dass diese anerkannt oder vergütet werden. Besonders problematisch ist, dass die elektronischen Zeiterfassungssysteme in vielen Einrichtungen für ärztliches Personal nicht freigeschaltet sind, während andere Berufsgruppen problemlos auf diese Systeme zugreifen können.
Ein weiteres großes Manko zeigt sich im Umgang mit Pausen: Ärzt*innen klagen, dass automatische Pausenabzüge vorgenommen werden, auch wenn sie gar keine Möglichkeit hatten, eine Pause einzulegen. Hammerschmidt fordert eine faire, manipulationsfreie elektronische Zeiterfassung, wie im Tarifvertrag festgelegt, etwa durch ein Stechuhr-Prinzip oder Zeiterfassungsterminals.
Die Situation an Universitätskliniken
Ein Großteil der Universitätskliniken verstößt gegen den Tarifvertrag, der im März 2024 zwischen dem Marburger Bund und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) vereinbart wurde. Eine Umfrage unter rund 3.500 Ärztinnen und Ärzten zeigt, dass nur 17% eine manipulationssichere, elektronische Zeiterfassung nach Stechuhrprinzip nutzen. Zudem müssen 48% der Befragten Überstunden von ihren Vorgesetzten genehmigen lassen, und 44% berichten davon, dass ihre geleisteten Stunden trotz Meldung an die Verantwortlichen unberücksichtigt bleiben. Die Risiken dieser Missstände sind enorm: 68% der Befragten klagen über weniger Erholungszeit, 61% haben eine schlechte Work-Life-Balance, und 57% sehen ihre Motivation sinken, was zu größerer Erschöpfung und Burnout-Gefahr führt.
Angesichts dieser Herausforderungen plant der Marburger Bund eine Kampagne, um die Nichteinhaltung des Tarifvertrags öffentlich zu machen. Christian Twardy, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des MB, äußert Bedenken, dass die dauerhafte Missachtung des Vertrages dessen Wert langfristig mindern könnte. Auch Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des MB, betont, dass ausreichend Zeit für die technische Umstellung zur Zeiterfassung zur Verfügung gestanden hat.
Rechtslage und Lösungen
Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind klar: Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem Mai 2019 und die Bestätigung durch das Bundesarbeitsgericht (BAG) im September 2022 fordern eine lückenlose und objektive Erfassung der Arbeitszeit in der EU. Dies ist insbesondere für Unternehmen im Gesundheitswesen, die häufig mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und Schichtarbeit zu kämpfen haben, eine besondere Herausforderung. Zudem muss die Erfassung auch im Homeoffice und bei mobilen Arbeiten erfolgen.
Die verschiedenen Möglichkeiten der Arbeitszeiterfassung haben ihre Vor- und Nachteile: Während handschriftliche Erfassung simpel und kostengünstig ist, bietet die elektronische Erfassung eine höhere Zuverlässigkeit und Transparenz. Eine digitale Lösung wie NOVENTI Flex könnte hier unterstützen, indem sie alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt und die Erfassung effizient gestaltet.
Die Zeit drängt für die Universitätskliniken, im Sinne ihrer Beschäftigten zu handeln. Es bleibt zu hoffen, dass sowohl die Kliniken als auch die Entscheidungsträger die notwendigen Schritte unternehmen, um die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern und die Gesundheit aller Beteiligten zu schützen.