Kämpfen um das tägliche Brot: Händler leiden unter Madagaskars Unruhen
In Antananarivo protestieren junge Menschen gegen Regierungsversagen, fordern bessere Lebensbedingungen und Rücktritt Präsident Rajoelina.

Kämpfen um das tägliche Brot: Händler leiden unter Madagaskars Unruhen
In Madagaskar brodelt es gewaltig. Am 4. Oktober 2025 fanden in der Hauptstadt Antananarivo zwei neue Demonstrationen statt: Eine von Gen Z und eine pro Präsident Andry Rajoelina. Die Situation vor Ort ist angespannt, denn die Lebensbedingungen der Händler haben sich rapide verschlechtert. Die Angst vor gewaltsamen Auseinandersetzungen zwingt die Händler dazu, ihre Waren einzupacken und sich zu barricadieren, wie la1ere.franceinfo.fr berichtet. Paul, ein Florist am Markt Anosy, berichtet von einem spürbaren Rückgang seiner Kunden. Überhaupt, der Handel findet hauptsächlich morgens statt, denn sobald die Dunkelheit anbricht, ziehen die Menschen es vor, nach Hause zu gehen, aus Angst vor Konflikten.
Die Proteste, die am 25. September ihren Anfang nahmen, waren zunächst eine Reaktion auf anhaltende Stromausfälle und Wasserknappheit. Seither haben sie sich jedoch stark ausgeweitet und stellen eine der größten Herausforderungen für die Regierung seit der Wiederwahl Rajoelinas im Jahr 2023 dar. Rajoelina hat kürzlich die Regierung aufgelöst, was die Proteste weiter anheizt, während die Bürger immer lauter nach einem Rücktritt des Präsidenten rufen. Der Druck wächst, und gemäß africanews.com wird die Entlassung des Premiers und des gesamten Kabinetts gefordert.
Politische Unruhen und Gewalt
Die Situation eskaliert weiter: Die Sicherheitskräfte setzen Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein. Nach Angaben der UN sind seit Beginn der Proteste mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen und über 100 wurden verletzt. Berichte über gewaltsame Auseinandersetzungen und Plünderungen verstärken die Unruhen. Rajoelina hat zur Bekämpfung der Proteste eine nächtliche Ausgangssperre in Antananarivo und anderen großen Städten verhängt. Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hat seine Besorgnis über die brutalen Reaktionen der Sicherheitskräfte geäußert, während die Opposition versucht, die Stimme der Unzufriedenen zu bündeln, wie tagesschau.de berichtet.
Die wirtschaftlichen Folgen der Proteste sind nicht zu unterschätzen. Rajoelina selbst schätzte die wirtschaftlichen Verluste der ersten beiden Tage der Demonstrationen auf rund 200 Milliarden Ariary, was etwa 38 Millionen Euro entspricht. Händler wie Tatiana erzählen von erheblichen Verlusten, und selbst in der Hochzeitssaison kommen kaum Kunden. Die florierende Verkaufszeit ist somit stark gefährdet, seit die politischen Spannungen überhandgenommen haben.
Ein Ausblick auf die Zukunft
Während der Präsident Verständnis für die Familien der Opfer zeigt und sich für die Mängel seiner Regierung entschuldigt, bleibt die Kernforderung der Protestierenden die Rücktrittsforderung gegen ihn. Ein Gen Z-Protestler fasst es treffend zusammen: Der Präsident müsse zurücktreten, um Frieden zurückzubringen. Angesichts der Tatsache, dass fast 75% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben, ist die Wut der Leute nur zu verständlich.
Die sozialen Spannungen in Madagaskar sind nicht nur eine politische Herausforderung, sondern auch ein gesellschaftliches Thema, das zu einer tiefgreifenden Diskussion über die Lebensbedingungen im Land führt. Antananarivo steht unter strenger Überwachung, und das Bild der Stadt hat sich in den letzten Tagen stark gewandelt – eine Stadt in Alarmbereitschaft, während ihre Bürger für ein besseres Leben kämpfen.