Hass im Netz steigt: Polizei erwartet dramatischen Anstieg der Fälle!
Im Fokus: Anstieg von Hass und Hetze im Internet in Friesland und Wilhelmshaven. Studien zeigen besorgniserregende Trends und Handlungsbedarf.

Hass im Netz steigt: Polizei erwartet dramatischen Anstieg der Fälle!
In den letzten Jahren hat die Häufigkeit von Hass und Hetze im Internet deutlich zugenommen, insbesondere in der Region um Wilhelmshaven und Friesland. Ole Peuckert, Pressesprecher der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland, stellt fest, dass die Hemmschwelle im digitalen Raum erheblich niedriger ist als im echten Leben. Laut NWZonline gibt es einen klaren Anstieg bei Bedrohungen und Beleidigungen, wobei die Polizei mehr Anzeigen aufnimmt und die Beweise sichert. Ein Anstieg der Fallzahlen wird auch in der bevorstehenden polizeilichen Kriminalstatistik für 2025 erwartet, was auf ein besorgniserregendes Problem hinweist.
Die Ursachen für diese steigenden Zahlen sind vielseitig. Faktoren wie räumliche Distanz, gefühlte Anonymität und gruppendynamische Effekte spielen hier eine wesentliche Rolle. Besonders schockierend sind die emotional aufgeladenen Situationen, aus denen viele Beleidigungen und Bedrohungen heraus entstehen. Es gibt keine spezifische Alters- oder Zielgruppe; oft sind öffentlich sichtbare Persönlichkeiten betroffen.
Studienlage zu Hass im Internet
Eine umfassende bundesweite Studie mit dem Titel „Lauter Hass – leiser Rückzug“, vorgestellt von Bundesfamilienministerin Lisa Paus und dem Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz, zeigt die Ausmaße dieses Problems auf. Rund 49% der Befragten in Deutschland haben bereits einmal online Beleidigungen erlebt. Besonders betroffen sind junge Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund sowie LGBTQ+-Community-Mitglieder. So gaben 30% der jungen Frauen an, ungefragt Nacktfotos erhalten zu haben. Diese Alarmzeichen verdeutlichen, dass es eine signifikante Bedrohung für die Vielfalt und den demokratischen Diskurs im Internet gibt, da 57% der Befragten aus Angst seltener ihre Meinung äußern. BMFSFJ berichtet, dass über zwei Drittel der Befragten glaubt, dass Hass im Netz auch die Gewalt im Alltag erhöht.
Mit nur 5% der Betroffenen, die ihren Fall tatsächlich bei der Polizei melden, besteht ein großer Handlungsbedarf. Die Forderung nach mehr Verantwortung von Social-Media-Plattformen ist ebenfalls laut. Über 80% der Befragten sind der Meinung, dass diese Plattformen nicht nur soziale, sondern auch finanzielle Verantwortung tragen sollten, um gesellschaftliche Schäden zu kompensieren.
Ressourcen und Unterstützung für Betroffene
Im Licht dieser Entwicklungen rückt der Bedarf an einem bundesweiten Netzwerk von Beratungsstellen und geschulten Strafverfolgungsbehörden in den Fokus. Auch die Notwendigkeit einer nationalen Bildungsoffensive zur Medienkompetenz wird zunehmend gefordert. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass nicht nur Einzelmaßnahmen, sondern eine umfassende Strategie zur Bekämpfung von Hass im Netz erforderlich ist. HateAid unterstützt diese Initiativen und appelliert an die Politik, bestehende Gesetze konsequent umzusetzen.
Die Zunahme von Hass im Internet ist ein alarmierendes Zeichen, das sowohl die Gesellschaft als auch die Politik zum Handeln auffordert. Es liegt an uns, dem entgegenzuwirken, bevor die digitalen Freiräume weiter eingeschränkt werden.