Neuer Schulkompass NRW 2030: Digitale Zukunft oder alte Probleme?

Neuer Schulkompass NRW 2030: Digitale Zukunft oder alte Probleme?
Heute wird in ganz Nordrhein-Westfalen der Start ins neue Schuljahr gefeiert. Schulministerin Dorothee Feller hat klare Ziele vorgegeben, die darauf abzielen, die Lern- und Bildungserfolge von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Ein wichtiger Schritt ist die Einführung des „Schulkompass NRW 2030“, der die Ausrichtung der Landesregierung, Schulaufsicht und Schulen gemeinsam vorantreiben soll. Zentrales Augenmerk wird auf die Stärkung der Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben, Zuhören und Rechnen gelegt.
Um den Anforderungen des Schulalltags gerecht zu werden, plant das Ministerium eine schrittweise Einführung von datengestützter Qualitätsentwicklung ab dem Schuljahr 2025/26. Dabei sollen Lernstandserhebungen, Schülerfeedback und Zielvereinbarungen helfen, die Bildungsqualität weiter zu steigern. Ab September sind zudem digitale Veranstaltungen für Schulleitungen geplant, die den neu eingeführten „Schulkompass NRW 2030“ in den Fokus rücken.
Fokus auf digitale Bildung
Besonders spannend wird die Einführung des digitalen Tools „Skribi“ zur Unterstützung beim Schreibenlernen, das an 100 Grundschulen getestet wird, bevor es kostenlos allen zur Verfügung steht. Dieses Angebot wird flankiert von „Mein Anfang auf Deutsch“, einem neuen Programm zur Alphabetisierung neu zugewanderter Schüler. Das BISS-Netzwerk wird zudem Materialien und Konzepte über das Wissensportal „digiWi“ bereitstellen, was die digitale Bildung weiter vorantreibt.
Dennoch gibt es Stimmen der Kritik. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW bemängelt, dass digitale Tools zwar hilfreich sind, jedoch nicht als Ersatz für mehr Lehrkräfte, kleinere Klassen und verbindliche Förderstrukturen dienen können. GEW weist darauf hin, dass der Schwerpunkt auf digitale Anwendungen im Schulkompass nicht ausreiche, um die Unterstützung der Lehrkräfte zu gewährleisten. Philologenverbandsvorsitzende Mistler hat ebenso Bedenken geäußert und rät, dass große Reformen ohne ausreichende Ressourcen für Lehrkräfte schwer umsetzbar sind.
Reformen in der Lehrkräfteausbildung
Ein weiteres zentrales Thema ist die Modernisierung der Lehrkräfteausbildung. Um den Anforderungen im Schulalltag gerecht zu werden, wird das Eignungs- und Orientierungspraktikum von 25 auf 30 Tage verlängert. Zudem soll das Berufsfeldpraktikum künftig in den Schulen stattfinden, und das Fach „Deutsch als Zweitsprache“ wird als eigenständiges Lehramtsfach eingeführt. Auch die Staatsprüfung wird praxisnäher gestaltet: Langzeitbeurteilungen sollen künftig 60 % der Bewertung ausmachen.
Gleichzeitig wird die FDP-Landtagsfraktion kritischer in Bezug auf den Schulkompass. Sie sieht das Paket als eher eine PR-Maßnahme als echte Reform und erwähnt, dass die Inszenierung des Schuljahres 2025/26 als Aufbruch nicht den Schlussfolgerungen gerecht wird, die aus dem Unterrichtsausfall und der unzureichenden Ausstattung mit Personalressourcen gezogen werden müssen. Insbesondere Müller-Rech von der FDP hebt hervor, dass die Probleme im Bildungssystem nicht zu übersehen sind.
Unterstützung für Schulen
Die Bezirksregierung Düsseldorf bietet umfassende Unterstützung für Schulen im Digitalisierungsprozess an. Über das Lernmanagementsystem LOGINEO NRW LMS haben Schulleitungen, Steuergruppen und Lehrkräfte Zugang zu wichtigen Materialien und Plattformen für die digitale Unterrichtsentwicklung. Die neue Homepage „www.lernen-digital.nrw“ bündelt dabei diverse Hilfen und wird kontinuierlich aktualisiert, um den Schulen ein geeignetes Werkzeug an die Hand zu geben.
Schlussendlich betont Ministerin Feller, dass der Schulkompass NRW 2030 wichtige Weichen für eine zukunftsorientierte Bildungspolitik stellt. Trotz der Herausforderungen, die in den kommenden Monaten auf die Schulen zukommen, bleibt die Hoffnung auf eine positive Entwicklung im Bildungssystem hoch.