Neuss erinnert an die Opfer des Novemberpogroms: Verantwortung gefordert!

Transparenz: Redaktionell erstellt und geprüft.
Veröffentlicht am

Neuss gedenkt der Opfer des Novemberpogroms 1938: Bürgermeister und Vertreter fordern Erinnerung und Verantwortung gegen Antisemitismus.

Neuss gedenkt der Opfer des Novemberpogroms 1938: Bürgermeister und Vertreter fordern Erinnerung und Verantwortung gegen Antisemitismus.
Neuss gedenkt der Opfer des Novemberpogroms 1938: Bürgermeister und Vertreter fordern Erinnerung und Verantwortung gegen Antisemitismus.

Neuss erinnert an die Opfer des Novemberpogroms: Verantwortung gefordert!

Am 10. November 2025 fand in Neuss eine eindrucksvolle Gedenkstunde statt, die an die Opfer des Novemberpogroms von 1938 erinnerte. An diesem denkwürdigen Tag versammelten sich Vertreter der Jüdischen Gemeinde, der christlichen Kirchen, der Politik sowie Schüler und Bürger am Mahnmal an der Promenadenstraße, um gemeinsam innezuhalten und zu gedenken. Bürgermeister Reiner Breuer eröffnete die Veranstaltung mit einer bewegenden Ansprache, in der er die Zerstörung jüdischer Geschäfte und die Brandlegung der Neusser Synagoge in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Erinnerung rief. Er stellte klar, dass die Verantwortung für das Geschehen der Vergangenheit auch in der Gegenwart eine wichtige Rolle spiele.

Besonders alarmierend ist der Anstieg antisemitischer Vorfälle in Deutschland, wie Breuer berichtete. Im Jahr 2024 wurden in Nordrhein-Westfalen 940 Fälle registriert, was einen Anstieg von 42 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren bedeutet. Diese Entwicklungen werfen einen Schatten auf die gesellschaftliche Realität und die Frage, wie wir damit umgehen müssen. Im Kontext des Gedenkens erinnerte Bert Römgens, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Neuss, an die verheerenden Folgen der Verfolgung jüdischer Familien. Zudem sprach er über die verschärfte Sicherheitslage für Jüdinnen und Juden, die seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 vorliegt. „Wir müssen aktiv gegen Antisemitismus eintreten“, forderte er eindringlich.

Die Rolle der Erinnerung

Die Veranstaltung bot auch Raum für Schüler der Gesamtschule an der Erft, die von ihrer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz berichteten. Besonders bewegend war ihre Begegnung mit der Zeitzeugin Hanna Kleinberg, die den Jugendlichen eindringliche Einblicke in das Schicksal der Opfer gab. Die Schülerinnen und Schüler hielten eine Schweigeminute für die ermordete Neusser Familie Lehmann und trugen ein Gedicht vor, das Schmerz, Verlust und Hoffnung thematisierte. Ihre Beiträge machten deutlich, dass die Erinnerung nicht nur Vergangenheit ist, sondern auch eine Schlüsselfrage für die Gegenwart und Zukunft darstellt.

Der Gedenktag wurde ergänzt durch die Worte von Dorothea Gravemann, die von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit kommt. Sie sprach über die staatlich organisierte Gewalt von 1938 und die Polarisierung, die seit 2023 im öffentlichen Diskurs zu beobachten ist. Auch sie unterstrich die Wichtigkeit, antisemitische Positionen nicht zu verharmlosen oder zu relativieren. Dies wird auch durch die Definition von Antisemitismus bestätigt, die als Feindseligkeit oder Diskriminierung gegen Juden als religiöse oder ethnische Gruppe beschrieben wird. Diese Form des Hasses hat sich im Laufe der Geschichte in unterschiedlichen Ausprägungen, von subtiler Diskriminierung bis hin zu extremen Gewalttaten, gezeigt.

Antisemitismus im Wandel der Zeit

Antisemitismus hat eine längst bekannte, aber doch schmerzhafte Historie. Er reicht zurück bis in die antiken Zeiten, wo Juden häufig aufgrund ihrer monotheistischen Religion in Konflikte mit dem polytheistischen Umfeld gerieten. Diese Rivalität hielt bis ins Mittelalter an, als antisemitische Ansichten in der christlichen Lehre manifest wurden. Der Begriff „Antisemitismus“, geprägt von Wilhelm Marr im Jahr 1879, beschreibt nicht nur eine Form des rassistischen Hasses, sondern hat sich auch in der heutigen Zeit mutiert und umfasst sowohl religiöse als auch politische Dimensionen. In der modernen Welt ist eine Zunahme antisemitischer Äußerungen zu verzeichnen, oft verstärkt durch Verschwörungstheorien und gesellschaftliche Unruhen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt.

Bürgermeister Breuer schloss die Gedenkstunde mit einem eindringlichen Appell: „Erinnerung ist der stärkste Schutz gegen das Vergessen, dafür brauchen wir Mut und eine Stimme.“ Diese Botschaft wird immer relevanter, wenn wir uns den Herausforderungen der Gegenwart stellen und die Lehren der Vergangenheit in unser heutiges Leben integrieren.