Prozessbeginn in Tübingen: Eritreer wegen versuchten Totschlags angeklagt
Prozessbeginn gegen Eritreer in Reutlingen wegen versuchten Totschlags. Streit eskalierte zu Messerangriff in Flüchtlingsunterkunft.

Prozessbeginn in Tübingen: Eritreer wegen versuchten Totschlags angeklagt
Am Landgericht Tübingen hat heute der Prozess gegen einen 27-jährigen Eritreer begonnen, der wegen versuchten Totschlags angeklagt ist. Der Vorfall, der für viel Aufsehen sorgte, ereignete sich am 1. April in Reutlingen. Der Angeklagte und das Opfer lebten beide in einer Flüchtlingsunterkunft in der Hindenburgstraße. Der Streit zwischen den beiden Männern eskalierte zunächst verbal, bevor es zu einem brutalen körperlichen Angriff kam. Laut der Staatsanwaltschaft zielte der Angeklagte mit drei Messerstichen auf das Gesicht, die Brust und den Oberkörper seines Opfers.
Obwohl das Opfer den Angriff abwehren konnte, erlitt es Verletzungen an den Händen und musste zur ambulanten Behandlung in die Klinik gebracht werden. Der Tatverdächtige wurde noch vor Ort von den Polizeibeamten festgenommen. Die Anklage erhebt schwere Vorwürfe und spricht von einer Tötungsabsicht. Informationen über den Vorfall finden Sie auf RTF1.
Der Hintergrund des Täters
Der 27-jährige Kahlid O. ist kein Unbekannter. Bereits im April 2020 hatte er in Dresden drei Flüchtlinge mit einem Messer angegriffen. Damals verletzte er eines der Opfer schwer am Bauch und der Brust, während ein weiteres Opfer aus Angst aus dem Fenster sprang. Bevor er 2024 nach einer vierjährigen Haftstrafe entlassen wurde, hatte Kahlid O. eine Vorgeschichte, die mit wiederholten gewalttätigen Übergriffen in Verbindung steht. Ein weiteres gefährliches Vergehen, das ihm vorgeworfen wurde, ist ein Angriff auf einen Libyer, bei dem er mit einem 12 cm langen Messer eine Arterie durchbohrte, wie die Bild berichtet.
Seine Rückkehr in die Gesellschaft nach der Haft war problematisch. Kahlid O. gab an, dass er in Eritrea wegen politischer Verfolgung fliehen musste und über gefährliche Routen nach Deutschland gelangte. Doch seine Integration verlief holprig: Er arbeitete nur zwei Monate in einer Bäckerei und hatte nach seiner Entlassung 1.600 Euro auf einmal ausgegeben, meist für Kleidung und Drogen. Berichten zufolge leidet er an psychischen Problemen und äußert, dass er Stimmen höre. Seine psychische Gesundheit wird derzeit von Experten, unter anderem von Prof. Dr. Dr. Markus Donix, untersucht.
Psychische Gesundheit und Flüchtlinge
Die Situation von Kahlid O. wirft auch ein Licht auf ein größeres Problem: die psychische Gesundheit von Flüchtlingen. Eine Studie aus der LVR-Klinik Köln zeigt, dass über die Hälfte der befragten Geflüchteten unter posttraumatischen Belastungsstörungen leidet. Diese Belastungen stehen oft in direktem Zusammenhang mit sozialen Faktoren wie Isolation oder unzureichendem Zugang zu Ressourcen. Der Bericht empfiehlt, dass stabile soziale Beziehungen und Zugang zu Arbeitserlaubnissen essenziell für die psychische Gesundheit von Migranten sind. Laut den Studienergebnissen sind soziale Isolation und fehlende Arbeitserlaubnis ausschlaggebend für die Hilfesuchenden.
Die Frage, ob Kahlid O. aufgrund einer möglichen „paranoiden Schizophrenie“ schuldunfähig ist, ist noch offen. Während einige Behörden versuchen, seine Abschiebung zu veranlassen, scheitern die Bemühungen an einem fehlenden Pass, da Eritrea keine Ersatzdokumente ausstellt. Die Komplexität dieser Fälle zeigt, wie wichtig es ist, soziale und psychische Unterstützung für Geflüchtete zu bieten.