70 Jahre Anwerbeabkommen: Italiens Gastarbeiter erzählen ihre Geschichten

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Eine Ausstellung in Stuttgart beleuchtet die Geschichten italienischer Gastarbeiter und deren Einfluss auf die Region seit 1955.

Eine Ausstellung in Stuttgart beleuchtet die Geschichten italienischer Gastarbeiter und deren Einfluss auf die Region seit 1955.
Eine Ausstellung in Stuttgart beleuchtet die Geschichten italienischer Gastarbeiter und deren Einfluss auf die Region seit 1955.

70 Jahre Anwerbeabkommen: Italiens Gastarbeiter erzählen ihre Geschichten

Was bleibt von einer Geschichte, die so viele geprägt hat? Eine aktuelle Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart gibt Aufschluss über die Erlebnisse der italienischen „Gastarbeiter“, die vor 70 Jahren nach Deutschland kamen. Jugendliche wie Luca Perazzotti und Gina Faul sind heute die Chronisten ihrer Familiengeschichten, die voll von Erinnerungen an Herausforderungen und Chancen sind. „Italiener verboten“-Schilder in Restaurants oder das Ankommen in einer fremden Kultur sind nur einige der Erlebnisse, die Luca von seinem Großvater, Giuseppe Casuccio, erzählt bekam. Ein eindringlicher Blick zurück, der zeigt, dass diese Geschichten durch viele Generationen hindurchmarschiert sind. Das berichtet die Stuttgarter Nachrichten.

Mit dem Anwerbeabkommen von 1955 begann ein wichtiger Abschnitt in der Geschichte der deutsch-italienischen Migration. Ab diesem Jahr machten sich Tausende Italiener aus dem Süden auf, um in der aufblühenden Wirtschaft Westdeutschlands Fuß zu fassen. Dank des Abkommens, das als Vorbild für spätere Anwerbeabkommen mit anderen Ländern diente, konnten viele ihren Lebensunterhalt sichern und gleichzeitig zur wirtschaftlichen Stärkung der Bundesrepublik beitragen. Schätzungen zufolge lebten im Jahr 2024 noch etwa 67.000 ehemalige italienische Gastarbeiter in Deutschland, die zwischen 1955 und 1973 einwanderten. Die Mehrheit, rund 72 Prozent, war selbst eingewandert, während 28 Prozent in Deutschland geboren wurden, wie ZDF berichtet.

Ein Blick auf die Erfahrungen

Die Ausstellung in Stuttgart beleuchtet nicht nur historische Fakten, sondern geht auch auf die persönlichen Geschichten der Migranten ein. Begeistert besuchte Luca Perazzotti mit seinem Italienisch-Kurs am Königin-Katharina-Stift Gymnasium die Ausstellung, die von seiner Mutter, Jasmin Casuccio, geleitet wurde. Hier hören Jugendliche von den Lebensumständen ihrer Vorfahren, etwa dem aus einem Lederkoffer stammenden Erbe und den Fotografien der Barackensiedlungen.
Die Migrationserfahrung ist für viele der Schüler greifbar. So erzählt Gina Faul, deren Mutter in den 1980er-Jahren den Schritt nach Deutschland wagte, von ähnlichen Erlebnissen. Auch Sara Montana Lampo, die erst vor neun Jahren mit ihrer Familie nach Stuttgart zog, sieht Parallelen zu den Geschichten ihrer Vorfahren.

Christian Enea erinnert sich an die Sprachbarrieren, die auch er erleben musste. Solche Hürden waren für viele der Gastarbeiter Alltag. Luca Perazzottis Großvater, Giuseppe Casuccio, der ohne Anwerbevertrag nach Deutschland kam, fand Unterstützung durch andere Italiener und arbeitete sich durch verschiedene Baustellenjobs, bis ihn ein tragischer Autounfall zurückwarf. Trotz aller Widrigkeiten blieb die Familie in Deutschland, was für viele Gastarbeiter keineswegs vorgesehen war.

Die heutige Relevanz

Die Ausstellung macht deutlich, dass die Themen Migration und Integration auch heute noch aktuell sind. Ein Blick zurück hilft, die Herausforderungen der Gegenwart zu verstehen. Im Jahr 2024 hatten 650.000 Menschen mit italienischer Einwanderungsgeschichte in Deutschland Fuß gefasst, viele davon in Branchen wie Gastronomie und Metallbearbeitung. Die Gründe für ihre Einwanderung bleiben sich ähnlich: Erwerbstätigkeit, Familie und Bildung stehen weiterhin im Vordergrund. Laut Tagesspiegel stellen Menschen mit italienischem Migrationshintergrund rund 0,9 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland.

Heute wie damals, die Geschichten und Erfahrungen der „Gastarbeiter“ sind ein unverzichtbarer Teil der Geschichte Deutschlands. Der Blick zurück lehrt uns nicht nur, woher wir kommen, sondern auch, wie wichtig es ist, die Vielfalt der Kulturen und die damit verbundenen Geschichten zu schätzen.