Kuschelpartys in Trossingen: Nähe ohne Tabus – So geht's!
Kuscheln ohne Knistern: Trossingen bietet Achtsamkeits-Kuschelpartys für Nähe und Geborgenheit. Nächster Termin: 30. Januar.

Kuschelpartys in Trossingen: Nähe ohne Tabus – So geht's!
In Trossingen gibt es eine ganz besondere Initiative, die Menschen dazu einlädt, Nähe und Geborgenheit auf neue Weise zu erfahren. Melanie Herbst, die vor drei Jahren aus Stuttgart in den Kreis Tuttlingen zog, hat im Jahr 2024 die ersten Kuschelpartys ins Leben gerufen. Ihr Konzept zielt darauf ab, menschliche Grundbedürfnisse nach Körperkontakt und Nähe zu bedienen, ohne dass dabei ein sexueller Bezug im Vordergrund steht. Diese Veranstaltungen finden in einem geschützten Raum statt, in dem die Teilnehmer auf entspannende, nicht sexuelle Berührungen setzen können. Schwäbische.de berichtet, dass in Trossingen inzwischen fünf bis sechs solcher Events stattgefunden haben, die jeweils bis zu zwölf Menschen anlocken.
Was genau passiert bei einer Kuschelparty? Zunächst gibt es eine Einführung, in der Regeln und Grenzen erklärt werden. Die Teilnehmer können jederzeit „Nein“ sagen oder sich zurückziehen. Der Abend beginnt mit Bewegungs- und Wahrnehmungsübungen, bevor es auf die Matratzen geht, die am Boden ausgelegt sind. Melanie Herbst selbst beteiligt sich nicht am Kuscheln, sondern kümmert sich um das Wohlbefinden der Anwesenden. Wichtig ist dabei auch die Achtsamkeit bezüglich Körperhygiene – schließlich möchte niemand mit unangenehmen Gerüchen konfrontiert werden.
Körperkontakt als menschliches Grundbedürfnis
Körperkontakt ist für Menschen essenziell und trägt entscheidend zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden bei. Die Gesellschaft bietet jedoch oft wenig Raum für diese Form von Nähe. Die Kuschelpartys schaffen eine geschützte Atmosphäre, in der Menschen Kontakt auf eine spielerische Weise erleben können. Dabei fördern sie das Experimentieren mit Berührung und Nähe und helfen den Teilnehmern, ihre eigenen Grenzen besser wahrzunehmen und auszudrücken. Teilnehmer sind meist über 30 Jahre alt, aber auch jüngere und ältere Menschen sind willkommen, sodass für jeden etwas dabei ist. Die Kuschelparty hebt hervor, dass die Abende auch für Paare gedacht sind, die die Erfahrungen des gemeinsamen Kuschelns schätzen.
Die Kosten für einen Abend belaufen sich auf 25 Euro, und die nächste Kuschelparty findet am 30. Januar von 18 bis 21 Uhr statt. Ein spannender Aspekt dieser Veranstaltungen ist, dass sie nicht nur für Singles, sondern für alle Menschen gedacht sind, die Lust auf Berührung in einem entspannten Rahmen haben.
Wissenschaftliche Grundlage
Wissenschaftlich gesehen sind Berührungen von großer Bedeutung – nicht nur für Säuglinge, die für eine gesunde Entwicklung auf körperliche Nähe angewiesen sind. Auch Erwachsene profitieren von Körperkontakt, da er eine wichtige Rolle in sozialen Beziehungen spielt. Eine Studie belegt, dass durch Berührungen Emotionen wie Angst, Liebe oder Dankbarkeit kommuniziert werden können. Diese Erkenntnisse untermauern die Idee hinter den Kuschelpartys: Menschen können in einer unterstützenden Umgebung neue Facetten von Nähe entdecken und ihre emotionalen Horizonte erweitern. ARD Alpha beschreibt, wie Oxytocin, das sogenannte „Kuschel-Hormon“, nach Berührungen ausgeschüttet wird und dabei hilft, Stress abzubauen und Vertrauen aufzubauen.
Melanie Herbst, die nebenberuflich als Maschinenbauingenieurin arbeitet, hat durch ihr Engagement für Kuschelpartys eine wichtige Nische geschaffen, die den Menschen in der heutigen, oft isolierten Gesellschaft eine Möglichkeit bietet, wieder zueinander zu finden und den eigenen Bedürfnissen nach Nähe Raum zu geben. So wird aus einem vermeintlich einfachen Bedürfnis eine wertvolle Lebenskultur und ein Schritt hin zu mehr Achtsamkeit im Umgang miteinander.