Weniger Frauen in Dax-Vorständen: Wo bleibt die Gleichstellung?
Der Artikel beleuchtet die zurückgehenden Frauenanteile in DAX- und MDAX-Vorständen 2025 und analysiert den Gender Pay Gap in Deutschland.

Weniger Frauen in Dax-Vorständen: Wo bleibt die Gleichstellung?
In den deutschen Vorständen tut sich einiges, aber nicht unbedingt zum Positiven. Laut dem aktuellen Bericht auf schwarzwaelder-bote.de sank im Jahr 2025 der Frauenanteil in den Vorständen der 90 größten Unternehmen an der Frankfurter Börse auf 25,5 Prozent, was einen Rückgang von 0,2 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Besonders kritisch ist die Situation im MDax, wo der Anteil führender Frauen sogar um 0,4 Punkte auf 19,5 Prozent gefallen ist. Damit endet ein erfreulicher Trend, der über ein ganzes Jahrzehnt ging und bei dem der Anteil weiblicher Führungskräfte kontinuierlich anstieg.
Wie bereits in früheren Analysen von haufe.de festgestellt, zeigen sich in den DAX-Konzernen auch andere strukturelle Probleme, die sich negativ auf die Gleichstellung auswirken. So verdienen Männer im Durchschnitt immer noch 13,9 Prozent mehr als Frauen – ein klarer Hinweis auf den unbereinigten Gender Pay Gap von 16 Prozent in Deutschland. 29 der 33 untersuchten DAX-Unternehmen zahlen Männern mehr als Frauen, wobei die Deutsche Bank mit einem Gender Pay Gap von 38,8 Prozent trauriger Spitzenreiter ist. Dies ist besonders auf die Art der Berufe zurückzuführen, in denen Frauen meist in sozialen oder administrativen Positionen arbeiten, während Männer überproportional oft in besser vergüteten Führungsrollen sitzen.
Die Situation im internationalen Vergleich
Im internationalen Kontext steht Deutschland nicht besonders gut da. Nur Deutschland und Schweden haben, laut der Untersuchung auf schwarzwaelder-bote.de, einen sinkenden Frauenanteil in den Vorstandsetagen. Im Vergleich zu anderen Ländern hat Norwegen mit über einem Drittel den höchsten Frauenanteil in Vorständen, während der DAX im internationalen Vergleich den sechsten Platz hinsichtlich der Frauenquote belegt. Der MDax steht dabei am Ende der Rangliste und schneidet in der EU schlecht ab, im Vergleich zu einem Durschnitt von 35 Prozent in Führungspositionen.
Ein Blick in die EU-weiten Rankings zeigt, dass Deutschland 2024 auf Platz 22 von 27 Mitgliedstaaten landet, mit lediglich rund 29 Prozent Frauen in Führungspositionen. Zum Vergleich: Schweden führt die Liste mit stolzen 44 Prozent an. Länder wie Lettland, Polen und Ungarn zeigen ebenfalls hohe Frauenanteile, während Zypern, Kroatien und Italien mit den niedrigsten Quoten kämpfen.
Der Weg zur Gleichstellung
Angesichts dieser Zahlen wird deutlich, dass der Weg zur Gleichstellung in den Führungsetagen der DAX-Unternehmen noch weit ist. Vorständinnen in Deutschland leiten häufig das Personalwesen, finden sich jedoch seltener in operativen Geschäften. Diese Diskrepanz könnte auf tief verwurzelte Strukturen zurückzuführen sein, die Frauen in Führungspositionen noch immer benachteiligen.
Die neue EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, die DAX-Unternehmen seit 2023 verpflichtet, über den Gender Pay Gap zu berichten, könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein. Allerdings haben bislang nur zwei Unternehmen, SAP und Telekom, freiwillig den bereinigten Gender Pay Gap veröffentlicht – ein klares Zeichen, dass noch Handlungsbedarf besteht.
Es bleibt zu hoffen, dass sich mittelfristig der Frauenanteil in den Führungsetagen erhöht und wir hier bald von positiven Veränderungen berichten dürfen. Bis dahin bleibt der Blick jedoch gedämpft, wie die aktuellen Statistiken belegen.