Lesung zum Holocaust-Gedenktag: Empfänger unbekannt in Kierspe!
Lesung zum Holocaust-Gedenktag in Kierspe: Eintritt frei, Spenden für Stolpersteine willkommen. Datum: 27. Januar, Stadtbibliothek.

Lesung zum Holocaust-Gedenktag: Empfänger unbekannt in Kierspe!
In der Stadtbibliothek Kierspe wird am Dienstag, dem 27. Januar, um 18 Uhr eine Lesung anlässlich des Holocaust-Gedenktages stattfinden. Veranstalter ist die Volkshochschule (VHS), die zu diesem wichtigen Event einlädt. Gezeigt wird die Bühnenfassung des Briefromans „Empfänger unbekannt“ von der amerikanischen Schriftstellerin Kathrine Kressmann Taylor, die 1938 erstmals im „Story Magazine“ veröffentlicht wurde. Der Roman thematisiert den Briefwechsel zwischen einem jüdischen Kunsthändler in den USA und seinem deutschen Geschäftspartner während der Machtergreifung der Nationalsozialisten und ist eine eindringliche Auseinandersetzung mit der politischen Ideologie, die zur Zerstörung von Freundschaften und zur Verfolgung von Juden führte.
Literaturkritikerin Elke Heidenreich bringt es auf den Punkt: Der Text ist eine bewegende Beschreibung der Auswirkungen des Nationalsozialismus und deren frühen Warnungen für die Gesellschaft. Kressmann Taylor selbst, geboren 1903, war Werbetexterin und wurde mit „Address Unknown“ international bekannt. Der Roman, der die Gefahren und den Schrecken dieser Zeit aufgreift, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und in verschiedenen Medien, inklusive Film- und Theateradaptionen, verwertet. Frühere Auflagen wurden in Deutschland jedoch teils verboten, was die Dringlichkeit der Thematik umso deutlicher macht.
Ein fesselndes Werk und bemerkenswerte Autorin
„Address Unknown“ schildert die Beziehung zwischen Martin, einem Gentilen, und Max, einem Juden. Die Briefe zeigen Martins anfängliche Begeisterung für das nationalsozialistische Regime, während Max zunehmend besorgt über das Schicksal seiner Verwandten wird, die in Deutschland leben. Besonders dramatisch ist das Ende der Geschichte, in dem ein Brief mit der Aufschrift „Adressat unbekannt“ zurückkommt und die grimmige Realität der Verfolgung widerspiegelt. Diese fesselnde Geschichte wurde nicht nur als eine der frühen Warnungen vor dem Nationalsozialismus angesehen, sondern auch als ein eindrucksvolles Beispiel epistolaren Schaffens im Bereich der historischen Fiktion.
Die Lesung in Kierspe wird von Jutta Niggemann und Martina Schnerr-Bille durchgeführt. Der Eintritt ist frei, jedoch werden Spenden für die „Initiative Stolpersteine“ erbeten. Die Veranstaltung bietet somit nicht nur die Möglichkeit, in eine dunkle, aber wichtige Epoche der Geschichte einzutauchen, sondern unterstützt zugleich ein bedeutendes Projekt zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.
Ein Erbe lebendig halten
Katherine Kressmann Taylor verstarb 1996, doch ihr Werk lebt weiter. „Address Unknown“ wurde in über 20 Sprachen übersetzt und sogar in Israel zum Bestseller. Insbesondere die hebräische Fassung erlangte große Popularität und wurde mehrfach auf die Bühne gebracht. Die Geschichte selbst ist nicht nur eine literarische Meisterleistung, sondern auch ein Appell an die Menschheit, die schrecklichen Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen und ein Bewusstsein für Menschlichkeit und Toleranz zu entwickeln.
Die Lesung in der Stadtbibliothek ist eine Chance, sich mit dieser wichtigen Thematik auseinanderzusetzen und gemeinsam zu gedenken. Wir laden alle Interessierten ein, dabei zu sein und diesen bedeutenden Teil der Geschichte zu erleben.
Lokaldirekt berichtet über die Veranstaltung, in der die Anliegen der „Initiative Stolpersteine“ unterstützt werden. Weitere Informationen über die Autorin und ihr Werk finden sich bei Wikipedia sowie über die Erstausgabe des Romans und dessen Inhalt bei Wikipedia.