Frauen in der Bütt: Guido Cantz fordert mehr Vielfalt im Karneval!

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Guido Cantz diskutiert den Frauenmangel in der Karnevals-Bütt Kölns und die Herausforderungen für Redner im Wandel der Zeit.

Guido Cantz diskutiert den Frauenmangel in der Karnevals-Bütt Kölns und die Herausforderungen für Redner im Wandel der Zeit.
Guido Cantz diskutiert den Frauenmangel in der Karnevals-Bütt Kölns und die Herausforderungen für Redner im Wandel der Zeit.

Frauen in der Bütt: Guido Cantz fordert mehr Vielfalt im Karneval!

In der kölschen Karnevalsszene zeichnet sich ein problematischer Trend ab: Die Zahl der Frauen in der Bütt ist stark rückläufig. Guido Cantz, ein bekannter Redner und Entertainer, spricht offen über diese Problematik. In einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger erklärt Cantz, dass Männer in der Comedy überrepräsentiert sind, weil sie sich weniger hinterfragen als ihre weiblichen Kolleginnen. Dies führe dazu, dass Männer oft glauben, sie seien humorvoller, während Frauen kritischer mit ihren Auftritten umgehen.

Doch Cantz ist nicht der Einzige, der diese Entwicklung beobachtet. Auch Martin Schopps, der seit 25 Jahren im Karneval aktiv ist, stellt fest, dass die Anzahl der Top-Redner stagniert und gleichzeitig die Vielfalt in den Bütten-Beiträgen abnimmt. „Früher gab es viel mehr Duette und Trios“, so sein Eindruck. In der Kölner Musikszene hingegen tut sich etwas. Über vier neue große Bands haben in den letzten zwei Jahrzehnten die Bühne erobert, was die Konkurrenz für Redner deutlich erhöht.

Der Rückgang der Vielfalt

Die Herausforderung, die alleine auf der Bühne stehenden Redner überwinden müssen, ist enorm. Während das Publikum die musikalische Unterhaltung schätzt, haben Redner es schwerer, zu bestehen. Volker Weininger, ein weiteres altes Karnevalskönig, hat bestätigt, dass neue Bands gute Leistungen zeigen, während der Nachwuchs im Rednerbereich schwer zu finden ist. Kai Kramosta, ein frischer Wind in der Szene, berichtet von den Schwierigkeiten, sich zu etablieren. Seine Texte schreibt er meist alleine, da viele der Meinung sind, dass niemand die eigenen Gedanken besser erfassen kann.

Die Abnahme der Rednerplätze in den Sitzungsprogrammen trägt zudem zur Problematik bei. Der Druck, immer wieder neue und unterhaltsame Beiträge zu liefern, bleibt konstant. Politische Themen sind zudem umstritten, viele Redner berichten von einem Rückgang des Interesses an politischen Witzen und die Rolle der politischen Korrektheit wird häufig als belastend empfunden. In dieser Corona-geplagten Zeit wird auch der Mangel an Frauen in der Bütt bedauert. Ingrid Kühne, eine der wenigen etablierten Frauen in dieser Branche, hat ihren Rückzug bereits angekündigt, was bei ihren Kollegen Trauer auslöst.

Wirtschaftliche Relevanz des Karnevals

Die Probleme in der Rednerszene stehen im krassen Gegensatz zu der wirtschaftlichen Bedeutung des Kölner Karnevals. Eine aktuelle Studie, finanziert vom Festkomitee Kölner Karneval und der Boston Consulting Group, offenbart beeindruckende Zahlen. Der Karneval hat seine Wirtschaftskraft 2023 auf sagenhafte 850 Millionen Euro gesteigert – ein Plus von 42 Prozent im Vergleich zu 2019. Zudem werden 6500 Arbeitsplätze durch die bunte Feierlichkeit gesichert und das Bruttoinlandsprodukt ist um 250 Millionen Euro gestiegen. Kölner Hotels dürfen sich über einen Zuwachs von 72 Prozent bei den Übernachtungen freuen – 470.000 Mal wurde vom Fest geträumt!

Dabei standen über 500 Faktoren zur Berechnung der wirtschaftlichen und sozialen Relevanz des Karnevals zur Verfügung, die zeigen, dass der Karneval mehr ist als nur ein Anlass zum Feiern. Die Umfrage mit 5460 Teilnehmern verdeutlichte eine hohe gesellschaftliche Relevanz. 30.000 Ehrenamtliche engagieren sich, und die Veranstaltungen ziehen 2,1 Millionen Besucher zu den Umzügen und eine Million zu den Sitzungen. Dennoch wünschen sich 30 Prozent der Befragten mehr städtische Unterstützung.

Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees, fordert nicht nur mehr Förderung, sondern auch kreative Lösungen, um den Karneval für die Zukunft zu sichern. Mit dem Projekt „Alaaf 2040“ soll die kulturelle Identität weiterentwickelt und bewahrt werden. Trotz der Herausforderungen, die die Szene beschäftigt, bleibt der Karneval ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Identität und des sozialen Lebens.