Süchtiger pendelt täglich nach Iserlohn: Diamorphin fehlt im Kreis!
Ein drogenabhängiger Angeklagter fährt täglich nach Iserlohn, um Diamorphin zu erhalten. Engpässe bei Substitutionstherapien in Siegen-Wittgenstein.

Süchtiger pendelt täglich nach Iserlohn: Diamorphin fehlt im Kreis!
In der aktuellen Debatte um die Drogenversorgung gestaltet sich die Situation für viele Betroffene im Raum Siegen-Wittgenstein alles andere als einfach. Ein drogenabhängiger Angeklagter, der täglich aus seiner Heimat nach Iserlohn pendeln muss, berichtet eindringlich von seinen Herausforderungen. Im Siegener Amtsgericht erzählte er, dass er zwei Stunden mit der Bahn unterwegs ist, um dort mit Diamorphin versorgt zu werden. In der Region selbst ist diese Substanz, bekannt aus dem medizinischen Sektor als synthetisches Heroin, nicht verfügbar. Stattdessen erhalten die meisten Abhängigen Methadon als Ersatzmittel, das bei vielen nicht gut ankommt.
Die Nachfragen nach einer besseren und effektiveren Therapieform sind deutlich spürbar. Eine Mitarbeiterin der Suchtberatung stellte fest, dass in Siegen-Wittgenstein zu wenige Ärzte mit der erforderlichen Zusatzqualifikation zur Verfügung stehen, um Methadon verschreiben zu können. Zusätzlich scheuen sich einige Mediziner, Patienten mit Drogenproblemen in ihrer Praxis zu behandeln. Diese Umstände zeigen, dass es nicht nur am wechselhaften Zugang zu Substitutionsmitteln liegt, sondern auch an der Verfügbarkeit und Einstellung von Fachpersonal.
Über die Vorzüge von Diamorphin
Wie aus den Ausführungen des Angeklagten hervorgeht, könnte sich die Behandlung durch Diamorphin als deutlich vorteilhafter erweisen. Arbeitsgruppen zur diamorphingestützten Therapie haben herausgefunden, dass diese Behandlungen in ihrer Wirksamkeit im Vergleich zu Methadon signifikant überlegen sind. Patienten unter Diamorphin könnten sich besser aus der Drogenszene lösen und zeigen einen positiven Verlauf bezüglich ihrer Integration in die Gesellschaft und der Kriminalitätsrate.
Die Substitutionstherapie hat nicht nur das Ziel, Entzugserscheinungen zu vermeiden, sondern zielt auch darauf ab, eine schrittweise Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen. Dies schließt die Wiederherstellung sozialer Beziehungen und die Reduktion von Beschaffungskriminalität ein, wie auf der Seite der AIDS-Hilfe beschrieben wird.Aidshilfe betont, dass bei der Substitution die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden, was für viele Betroffene entscheidend ist.
Hindernisse und Suche nach Lösungen
Doch was tun, wenn die notwendige Behandlung vor Ort nicht verfügbar ist? In Siegen-Wittgenstein werden Methadon und Buprenorphin aus standardisierten Programmen angeboten. Diamorphin-gestützte Substitutionen sind momentan nicht realisierbar, da diese spezielle Behandlung nur in staatlich zugelassenen Ambulanzen in größeren Städten angeboten werden. Die Ambulanz in Iserlohn, die als erste im ländlichen Raum Deutschlands gilt, bietet immerhin Platz für bis zu 250 Patienten.Die Siegener Zeitung berichtete, dass geeignete Patienten Anspruch auf ein ÖPNV-Ticket haben, welches vom Jobcenter zur Verfügung gestellt wird. Dies würde zwar die Mobilität verbessern, bleibt jedoch weder die einzige noch eine endgültige Lösung für viele Betroffene.
Ein Umdenken scheint hoch an der Zeit, damit Konsumenten die Chance erhalten, nachhaltig aus der Abhängigkeit zu entkommen. Der Pressesprecher des Kreises Siegen-Wittgenstein, Manuel Freudenstein, hat bereits auf die Herausforderungen der regionalen Versorgungsstruktur hingewiesen. Ohne ausreichende Ärzte für die Substitution ist es für Abhängige nahezu unmöglich, eine adäquate Behandlung zu erhalten.
Die durchschnittlichen 166.000 Opioidabhängigen in Deutschland stehen vor ähnlich schwierigen Bedingungen. Im Rahmen der aktuellen Reformen, die 2023 in Kraft traten, kommen neue Regelungen zur Telemedizin und zu den Vorschriften für die Abgabe von Substitutionsmitteln ins Spiel, die jedoch in ländlichen Gebieten wie Siegen-Wittgenstein nur bedingt umsetzbar sind. Es liegt also noch ein weiter Weg vor uns, bis alle Betroffenen die Behandlung erhalten, die sie benötigen.Die Bundesärztekammer hat weitere Informationen zu diesem Thema bereitgestellt.