Weidemilch im Test: So viel Glück gibt es wirklich für Kühe!
Entdecken Sie die Wahrheit hinter Weidemilch und Bio-Milch in Nordrhein-Westfalen: Verbrauchertipps zur Tierhaltung und Kennzeichnung.

Weidemilch im Test: So viel Glück gibt es wirklich für Kühe!
Verwirrte Verbraucher stehen oft in den Supermarktregalen und fragen sich, was es mit den Bezeichnungen auf den Milchverpackungen tatsächlich auf sich hat. Insbesondere der Begriff „Weidemilch“ weckt die Assoziation von glücklichen Kühen auf saftigen Wiesen. Doch wie sieht es in der Realität aus? Diese Begriffe sind rechtlich nicht geschützt, und die Wahrheiten könnten nicht weiter auseinanderliegen. Merkur stellt klar, dass kein Gesetz vorschreibt, wie lange Kühe weiden dürfen, um diesen Namen zu tragen.
Das Oberlandesgericht Nürnberg hat bereits 2017 entschieden, dass Kühe für die Bezeichnung „Weidemilch“ an mindestens 120 Tagen im Jahr für mindestens sechs Stunden täglich ins Freie dürfen. Doch im ungünstigsten Fall könnten Kühe auch 245 Tage im Jahr eingesperrt bleiben, wobei die konkreten Haltungsbedingungen oft im Dunkeln liegen. Dies wirft die Frage auf: Wie können Verbraucher sicherstellen, dass die Milch, die sie kaufen, tatsächlich von glücklichen Kühen stammt?
Verlässliche Label als Orientierung
Um im Dschungel der Milchlabel nicht verloren zu gehen, raten Verbraucherschützer, sich an besser geschützten Labeln zu orientieren. So verlangt das „Pro Weideland“-Label unter anderem mindestens 2.000 Quadratmeter Weideland pro Tier, gentechnikfreies Futter und, dass die Kühe das ganze Jahr über frei herumlaufen dürfen. Daneben gibt es das Label „Für mehr Tierschutz“, das von April bis Oktober eine Mindestweidezeit von sechs Stunden pro Tag fordert, inklusive Nachweise für ausreichend Platz. Solche Siegel könnten eine echte Hilfe für Verbraucher sein, die Wert auf nachhaltige und tierfreundliche Produkte legen.
Ein weiteres Detail, das oft übersehen wird: Bio-Milch ist nicht automatisch Weidemilch. Laut EU-Verordnung genügt es, dass Kühe Zugang zu einem Freigelände haben, das nicht zwingend als Weideland ausgewiesen sein muss. Künftig allerdings, ab 2026, tritt eine neue EU-Regelung in Kraft, die striktere Vorschriften vorsieht. Kühe müssen dann je nach Wetterlage von April bis November Zugang zu Weideflächen haben. Dies könnte zu Herausforderungen für viele Landwirte führen, deren Ställe bisher nicht danach ausgerichtet waren.
Die Realität in der Milchproduktion
Laut der Verbraucherzentrale halten etwa 87 Prozent der deutschen Milchkühe sich in Laufställen auf, wo ausreichende Bewegungsfreiheit gegeben ist. Rund 30 Prozent dieser Kühe genießen allerdings nur einen geschätzten Zeitraum von sechs Monaten Weidegang. Hierzu muss man sich bewusst sein, dass viele Verpackungen im Supermarkt zwar unterschiedliche Kriterien angeben, die tatsächlichen Haltungsbedingungen sind oft unklar und können viele Fragen aufwerfen.
Jeder Konsument hat also die Möglichkeit, informierte Entscheidungen zu treffen. Es lohnt sich, auf vertrauenswürdige Siegel zu achten, um sicherzustellen, dass die Milch eine entsprechende Tierhaltung widerspiegelt. Vor allem die neuen Regelungen könnten sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die heimischen Betriebe haben. Ändert sich doch die Produktionslandschaft stetig und Fortschritte für mehr Tierwohl stehen an.
Insgesamt gilt es auch zukünftig, ein wachsames Auge auf die Entwicklungen im Bereich der Milcherzeugung zu werfen und sich regelmäßig über die neuesten Informationen zu informieren. Wer ein gutes Händchen für Qualität hat, wird am Ende die besten Entscheidungen für sich und die Tiere treffen können.