Theaterstück Prima Facie beleuchtet Gewalt gegen Frauen in Koblenz
Am 26.11.2025 wird in Koblenz das Theaterstück „Prima facie“ zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen aufgeführt.

Theaterstück Prima Facie beleuchtet Gewalt gegen Frauen in Koblenz
In der Stadtbibliothek Koblenz wird heute ein ganz besonderes Theaterstück aufgeführt: „Prima Facie“. Dieses eindringliche Einpersonenstück von Suzie Miller beschäftigt sich auf packende Weise mit dem Thema sexueller Gewalt und ist anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen (Orange Day) inszeniert worden. Das Theater am Ehrenbreitstein hat die Aufführung am 26. November 2025 um 14:00 Uhr organisiert, und die Zuschauer können sich auf ein volles Haus freuen. Die Verantwortung für die Regie liegt in den Händen von Gabriel Diaz, während sieben Serviceklubs die Veranstaltung unterstützen und somit ihr Engagement gegen Gewalt an Frauen unter Beweis stellen.
Das Stück dreht sich um die Figur Tessa, eine Strafverteidigerin, die selbst zum Opfer sexueller Gewalt wird. Diese Wendung in Tessas Leben macht die Zuschauer auf die Absurditäten und Herausforderungen aufmerksam, die das Justizsystem für Opfer bereitstellt. Suzie Miller, die das Stück verfasste und in den letzten Jahren viel Anerkennung für ihr Werk erhielt, hat sich intensiv mit den Erfahrungen von Frauen auseinandergesetzt, die sexuelle Übergriffe erlitten haben. Ihre eigene Laufbahn als Menschenrechtsanwältin prägte ihre Sicht auf die rechtlichen Hürden, mit denen Opfer konfrontiert sind, und sie stellt in ihrem Stück die Frage nach der Glaubwürdigkeit von Opfern in einem oft feindlichen Umfeld.
Miteinander im Fokus: Gewalt und Rechtsprechung
Wie die Analyse von Miller zeigt, erleben viele Frauen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, eine Art „Frieren“ in der Situation oder versuchen, ihre Angreifer verbal umzustimmen. Dieses Verhalten wird später von Verteidigern gerne genutzt, um die Glaubwürdigkeit des Opfers in Frage zu stellen. In ihrer Recherche hat Miller festgestellt, dass nur etwa jede zehnte Frau, die Gewalt erlebt, den Vorfall zur Anzeige bringt. Die erschreckend geringe Verurteilungsquote von 1,3 Prozent im Vereinigten Königreich verdeutlicht, wie dringend ein Umdenken erforderlich ist.
Miller hat in ihrem Stück auch die Problematik angesprochen, dass Tessa letztendlich Zeugin in ihrem eigenen Vergewaltigungsprozess wird. Der Vorfall, der sie betroffen hat, war nicht einvernehmlich, was die Verwirrung und den Schmerz verdeutlicht, die viele Opfer erfahren. Tessa findet sich in einem System wieder, das oft ihre eigene Erzählung in Frage stellt und was sie sich genau erinnern kann, wird zum Spielball der Verteidigung.
Ein Aufruf zur Veränderung
In ihrer weiteren Arbeit fordert Miller nicht nur ein Umdenken in den Gerichtssälen, sondern auch eine kulturelle Veränderung in der Gesellschaft. Sie hofft, durch ein Projekt, das einen kostenlosen Film von „Prima Facie“ in britischen Schulen bereitstellt, das Bewusstsein für die Herausforderungen, vor denen Opfer von sexueller Gewalt stehen, zu schärfen. Zudem setzen sich junge Breiterinnen in Gruppen wie TESSA dafür ein, die gesetzlichen Grundlagen für sexualisierte Übergriffe zu reformieren, um die Beweislast auf die Beschuldigten zu verlagern.
Die Bemühungen um einen Wandel in der Gesellschaft sind bereits spürbar. Millers Werk hat nicht nur auf dem West End und am Broadway für Aufsehen gesorgt, sondern auch tatsächlich Verhandlungen über Änderungen im Rechtssystem angestoßen, wie beispielsweise die Verbesserung von Juryanweisungen in Vergewaltigungsfällen oder Schulungsprotokollen für Richter in Nordirland. Ihr Stück ist nicht nur Unterhaltung, sondern auch ein Appell, über die drängenden Fragen rund um sexuelle Gewalt und Consent nachzudenken.
In einem Gesellschaftsbild, in dem jede dritte Frau Opfer sexueller Gewalt wird, ist es unerlässlich, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und aktiv für Veränderungen einzutreten. „Prima Facie“ leistet einen wichtigen Beitrag dazu und macht Mut, laut zu sein und für Rechte und Gerechtigkeit zu kämpfen. Das Theaterpublikum in Koblenz ist eingeladen, Teil dieser wichtigen Diskussionsplattform zu sein und sich der Realität zu stellen, die „Prima Facie“ thematisiert.
Weitere Informationen findet man auf den Seiten von Rhein-Zeitung, New Statesman und Süddeutsche Zeitung.