Saarland: Milliarden für grünen Stahl – Doch Wasserstoff kommt aus Frankreich!
Im Saarland wird Wasserstoff für die Stahlproduktion gefördert, doch Deutschland kauft überwiegend im Ausland ein. Erfahren Sie mehr über die aktuellen Herausforderungen.

Saarland: Milliarden für grünen Stahl – Doch Wasserstoff kommt aus Frankreich!
Der Wettlauf um grünen Wasserstoff nimmt in Deutschland Fahrt auf, doch die Visitenkarte des Landes könnte bald aus Frankreich stammen. Denn während Deutschland Milliarden Euro in die Produktion von grünem Stahl pumpt, zeigt sich die Realität: Ein Großteil des benötigten Wasserstoffs wird im Ausland, genauer gesagt in Frankreich, eingekauft. Laut einem Bericht von Welt messen Fachleute die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Initiativen in dieser neuen Energieform als unzureichend.
Ein erheblicher Teil der geförderten Projekte bleibt hinter den Erwartungen zurück. Der Bundesrechnungshof kritisierte den langsamen Aufbau der Wasserstoffwirtschaft und warnte vor einer potenziellen „Dauersubventionierung“, die ihre positiven Klimawirkungen in Frage stellt. Auch die Ökostrom-Verbände stellen die Einschätzung in Frage und sehen durchaus Chancen für eine klimafreundliche Wende in der Industrie.
Wasserstoff als Schlüssel für die Stahlproduktion
Die Stahl-Holding-Saar (SHS) plant mit ihrem Projekt „Power4Steel“ eine klimaverträgliche Stahlproduktion, die durch Wasserstoff unterstützt werden soll. Hierbei wird ein Investitionsvolumen von 4,6 Milliarden Euro angepeilt, wobei 2,6 Milliarden Euro aus Steuermitteln stammen. Die ersten Wasserstofflieferungen sollen aus einer neuen Elektrolyse-Anlage in Frankreich kommen, die von Verso Energy betrieben wird und über eine Kapazität von 300 Megawatt verfügt. Damit sind jährliche Transporte von 6000 Tonnen Wasserstoff nach Dillingen vorgesehen.
Doch nicht nur im Saarland tut sich was. Auch ArcelorMittal plant, seine Stahlproduktion in Deutschland auf grünen Wasserstoff umzustellen, um bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Während das Unternehmen im Juni seine Pläne für neue Standorte in Bremen und Eisenhüttenstadt pausierte, verschiebt sich der Fokus nach Dünkirchen, wo die Strompreise günstiger sind. Das Unternehmen kann so mit hellgrünem Wasserstoff direkt von dort die logistischen Herausforderungen besser meistern. In Deutschland selbst gibt es bislang nur etwa 0,066 Gigawatt installierte Elektrolyseleistung, wobei die Bundesregierung mindestens 10 Gigawatt bis 2030 anstrebt.
Die Herausforderungen der Wasserstoffwirtschaft
Die von DW angesprochene Stahlindustrie verursacht in Deutschland knapp 7% der CO2-Emissionen. Um eine klimaneutrale Steuerung dieser Branche zu erreichen, müsste man bis zu 55 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen – ein ambitioniertes Ziel, das allerdings mit hohen Kosten und logistischen Schwierigkeiten verbunden ist. Der Transport von grünem Wasserstoff birgt eigene Herausforderungen, da er oft in einer zurückhaltenden Form oder durch aufwendige Verfahren wie Verflüssigung transportiert werden muss.
In der Zwischenzeit bleibt Deutschland am internationalen Wasserstoffmarkt in einem Wettbewerb, der unter anderem von regionalen Kraftwerken in Frankreich vorangetrieben wird. Diese können einen grünen Wasserstoff liefern, der sich durch günstigere Produktionsmethoden durch Wind- und Solarenergie auszeichnet. Letztlich agiert Deutschland nicht nur im eigenen Saft, sondern muss sich auch gegen die internationale Konkurrenz behaupten, die durch die eigene geografische und technische Lage Vorteile hat.
Von einem zukunftsfähigen Umbau der Industriestrukturen sind wir also noch ein gutes Stück entfernt. Doch der Weg über Außenlieferungen und internationale Kooperationen scheint dennoch der richtige zu sein, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen.