Steuereinnahmen brechen die Billionenmarke – Doch wo bleibt das Geld?

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Bund und Länder erreichen 2025 neue Rekordsteuereinnahmen, während die Haushalte mit Milliardendefiziten kämpfen. Ein Überblick.

Bund und Länder erreichen 2025 neue Rekordsteuereinnahmen, während die Haushalte mit Milliardendefiziten kämpfen. Ein Überblick.
Bund und Länder erreichen 2025 neue Rekordsteuereinnahmen, während die Haushalte mit Milliardendefiziten kämpfen. Ein Überblick.

Steuereinnahmen brechen die Billionenmarke – Doch wo bleibt das Geld?

Die Finanzlage der deutschen Staatskassen hat im Jahr 2025 eine markante Wende genommen. Wie die Welt berichtet, haben Bund, Länder und Kommunen erstmals die Grenze von einer Billion Euro an Steuereinnahmen überschritten. Genauer gesagt, belaufen sich die Einnahmen auf beeindruckende 1.035 Milliarden Euro, was einem Anstieg von knapp 40 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.

Doch trotz dieser Rekorde ist die Haushaltslage alles andere als rosig. Der Staat beendete das Jahr 2025 mit einem Minus von rund 107 Milliarden Euro. Besonders auffällig ist der Anstieg der Einnahmen aus der Mehrwertsteuer (+4,4 Prozent), Lohnsteuer (+5,1 Prozent) und der veranlagten Einkommensteuer (+6,5 Prozent). Dagegen gab es Rückgänge bei der Gewerbesteuer (-1,7 Prozent) und der Körperschaftsteuer (-1,6 Prozent).

Die Zahlen im Detail

Die Steuerzahlungen machen 2025 nun 23,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus, im Vergleich zu 23,0 Prozent im Jahr 2024. Das BIP selbst wurde nach vorläufigen Berechnungen auf 4.470 Milliarden Euro (nominal) geschätzt. Auch wenn der Anstieg der Steuerquote zu beobachten ist, liegt sie noch unter den Werten der Jahre 2021 und 2022, die über 24 Prozent lagen. Ein Grund hierfür könnte das Wegfallen der Inflationsausgleichsprämie sein.

Für 2026 erwarten Ökonomen eine moderate Senkung der Steuerquote aufgrund geplanter steuerlicher Maßnahmen. Die Sozialversicherungseinnahmen betrugen 2025 beachtliche 18,4 Prozent des BIP, der höchste Stand seit den 1990er-Jahren. Dieser Trend könnte sich 2026 sogar weiter verstärken, besonders durch die erhöhten Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenkassen.

Insgesamt standen 2025 Steuern und Sozialbeiträge zusammengenommen bei 1.859 Milliarden Euro, was 41,6 Prozent des BIP entspricht. Damit wurde der höchste Wert seit der Jahrtausendwende erreicht. Ob die finanzielle Situation sich in der Zukunft verbessert, bleibt derzeit jedoch ungewiss, insbesondere angesichts der Unsicherheiten in der Haushaltsplanung und möglicher Reformen bis 2027.

Ein Blick über die Grenzen

Wie in einer weiteren Analyse des Bundesfinanzministeriums zu erfahren ist, liegt die Abgabenquote in Deutschland im Jahr 2023 bei 38,1 Prozent und damit im oberen Mittelfeld international. Diese Abgabenquote ist vergleichsweise hoch, insbesondere im Gegensatz zu Ländern wie Belgien und den skandinavischen Staaten, die über 40 Prozent erreichen. Im internationalen Steuervergleich wird zudem deutlich, dass Deutschland mit einer tariflichen Besteuerung von rund 30 Prozent für Unternehmensgewinne in der oberen Liga spielt, während die Mehrheit der Staaten unter 25 Prozent besteuert.

Die Bundesregierung plant, die Unternehmenssteuerbelastung schrittweise auf ca. 25 Prozent zu senken, um die wirtschaftliche Basis zu stärken. Außerdem zielt die Einkommensteuerpolitik auf Anreize für die breite Mitte der Gesellschaft und Familien ab. Der Steuer- und Abgabenkeil, also die Gesamtbelastung aus Steuern und Sozialabgaben, ist für Alleinstehende mit Durchschnittsverdienst in Deutschland bei 47,9 Prozent angesiedelt – nur Belgien weist einen höheren Wert auf.

Die strukturellen Herausforderungen, die die Steuer- und Abgabenpolitik in Deutschland prägen, sind weiterhin präsent. Zu den wichtigsten Herausforderungen zählen die demografische Entwicklung, strukturelle Anpassungen und geopolitische Faktoren. Das steuerliche Investitionssofortprogramm, auch bekannt als „Wachstumsbooster“, soll helfen, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken und die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands zu fördern.

Ob sich die Trends im Steuer- und Abgabensystem stabilisieren oder verändern werden, bleibt also abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Die kommenden Jahre erfordern ein gutes Händchen in der politischen und wirtschaftlichen Steuerführung.