Speyer als Stadtdenkmal: Entscheidungsdruck auf den Stadtrat wächst!
Speyer, historisch bedeutend, wird als Stadtdenkmal anerkannt. Stadtrat berät über Denkmalrecht und Auswirkungen auf Bauprojekte.

Speyer als Stadtdenkmal: Entscheidungsdruck auf den Stadtrat wächst!
In Speyer, einer der ältesten Städte Deutschlands, tut sich momentan einiges im Bereich des Denkmalschutzes. Die historische Altstadt wurde von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) als „Stadtdenkmal“ ausgewiesen, was diese Region zum flächenmäßig größten und dichtesten Denkmalgebiet in Rheinland-Pfalz macht. Da ist einiges im Gange, das sowohl Historie als auch Zukunft der Stadt betrifft. Wie der MRN-News berichtet, hat das Thema am 14. Februar 2026 im Stadtrat für einige Aufregung gesorgt.
Im Jahr 2022 hatte der Stadtrat mit einer knappen Mehrheit von 19:15 für eine Prüfung der Denkmalwürdigkeit gestimmt. Doch die Ausweisung als Stadtdenkmal kam überraschend schnell, ohne dass der Stadtrat zu einem erneuten Abstimmungsprozess eingeladen wurde. Dies hat viele Fragen aufgeworfen, insbesondere zur Rolle des Stadtrats bei der Entscheidungsfindung der GDKE. In einer Sondersitzung am 2. Februar 2026 wird es darum gehen, diese und weitere Fragen zu klären.
Vorteile und Herausforderungen
Die Entscheidung, Speyer als Stadtdenkmal auszuweisen, bringt einige wirtschaftliche Vorteile mit sich. Künftige bauliche Veränderungen könnten einfacher realisiert werden, da denkmalrechtliche Genehmigungen in vielen Fällen kostenfrei sind. Außerdem können Eigentümer*innen von steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten profitieren, die bei Sanierungen bis zu 100 % der Kosten abdecken. Dies könnte vor allem für vermietete Immobilien attraktiv sein. Zur derzeitigen Situation merkt die Stadt Speyer an, dass die Altstadtsatzung seit 1975 in Kraft ist und kleinere bauliche Veränderungen in der Regel kostenpflichtige Bauanträge erfordern.
Allerdings sind nicht alle Stimmen euphorisch. Es gibt Bedenken, dass zusätzliche Schutzvorgaben Bau- und Entwicklungsprojekte erschweren könnten. Die Speyerer Wählergruppe hebt besonders hervor, wie wichtig Transparenz, kommunale Selbstbestimmung und Ehrlichkeit im Verfahren sind. Fragen zur Mitgestaltung und der Verlässlichkeit von GDKE und Stadtvorstand stehen dabei im Fokus. Die Wählergruppe stellt außerdem in Frage, ob der Denkmalschutz wirklich nicht lähmt und ob die zugesagten Vereinfachungen bei baulichen Maßnahmen tatsächlich eintreten werden.
Historische Bedeutung und Ausblick
Das historische Erbe Speyers, insbesondere die SchUM-Stätten mit dem eindrucksvollen Dom und dem jüdischen Erbe, sind nicht nur Teil der Stadtgeschichte, sondern tragen auch erheblich zum internationalen Kulturerbe bei. Die Universität Berlin bezeichnet in ihren Forschungen den Umgang mit kulturellen Hinterlassenschaften als sozialen und politischen Prozess, der durch die Interaktion zwischen Menschen, Räumen und Objekten geprägt ist. Diese Perspektive nimmt auch Einfluss auf die Diskussion über den Denkmalschutz in Speyer und die Frage, wie die Stadt ihre Identität bewahren kann.
Um die anstehenden Fragen und Bedenken zu diskutieren, wird die GDKE am 28. Oktober 2025 die Untersuchungsergebnisse zur Denkmalwürdigkeit im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr vorstellen. Die Ergebnisse sollen schließlich am 29. Januar 2026 im Stadtrat beraten werden. Die Entwicklungen in Speyer sind ein Beispiel dafür, wie wichtig der Dialog zwischen Verwaltung, Politik und Bürger*innen ist, um die Balance zwischen dem Erhalt des historischen Erbes und der zeitgenössischen Städteentwicklung zu finden. Fragen und Anregungen können unter stadtdenkmal@stadt-speyer.de an die Stadt gerichtet werden.