Ravensburger Hebammen kämpfen für bessere Bedingungen im Belegsystem!
Ravensburgs Hebammen bleiben im Belegsystem trotz neuer Regelungen. Die neue Ambulanz am St. Elisabethen-Klinikum öffnete kürzlich.

Ravensburger Hebammen kämpfen für bessere Bedingungen im Belegsystem!
Die Geburtshilfe im Fokus
Am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg wurde kürzlich eine neue Hebammenambulanz eröffnet, die einen weiteren Schritt in der Verbesserung der geburtshilflichen Versorgung darstellt. Diese Neuerung tritt in einen Kontext, der durch Reformen und Herausforderungen geprägt ist. Der neue Hebammenhilfevertrag der gesetzlichen Krankenkassen, der am 1. November 2023 in Kraft trat, hat für Aufsehen gesorgt, da er auch die freiberuflichen Hebammen in Deutschland, einschließlich der Dienst-Beleghebammen im Ravensburger Klinikum, betrifft.
Die Ravensburger Hebammen haben eine klare Position zu den neuen Regelungen bezogen, die es ihnen nur erlaubt, 80% ihrer Leistungen abzurechnen. Ab der zweiten Frau sinkt die Vergütung auf 30%, und ab der vierten Frau ist eine Abrechnung nicht mehr möglich. „Da liegt was an“, denken sich nicht nur die Hebammen, sondern auch der Geschäftsführer der Oberschwabenklinik, Franz Huber, der betont, wie wichtig die Wünsche der Hebammen sind und dass die Versorgung werdender Mütter sichergestellt werden muss. Erklärtes Ziel der Klinik ist es, sowohl freiberufliche als auch angestellte Hebammen anzubieten, um den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden.
Protest und Forderungen
In diesem Zusammenhang haben die Ravensburger Hebammen gegen die neuen Regelungen protestiert und fordern Nachbesserungen. Es herrscht seit Jahren Unzufriedenheit mit der geburtshilflichen Versorgung, wie auch Elternverbände und Leistungserbringer feststellen. Auf kommunaler, Landes- und Bundesebene entstehen Bündnisse, die sich für grundlegende Verbesserungen in der Geburtshilfe einsetzen. Diese Entwicklungen sind im Einklang mit dem Nationalen Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“, das im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgeschrieben ist. Hierbei soll evidenzbasiert darauf hingearbeitet werden, Frauen in ihrer Fähigkeit zu gebären bestmöglich zu unterstützen.
Die umfassenden Herausforderungen in der Hebammenversorgung zeigen sich auch in der Nachfrage nach qualitativen Informationen. Laut dem BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung gibt es wenig Transparenz im ambulanten Bereich der Geburtshilfe, besonders in Bezug auf die Angebote von Frauenärzten und Hebammen. Nähere Einblicke gibt Dr. med. Dagmar Hertle, die im Podcast „Hebammenkundig“ thematisiert, wie Hebammen das Nationale Gesundheitsziel in ihrer Praxis umsetzen können.
Die Bedeutung der neuen Hebammenambulanz
Die neu eröffnete Hebammenambulanz ist werktags von 8 bis 14 Uhr für Beratung, Vorsorge und Geburtsplanung geöffnet. Damit wird nicht nur eine wichtige Anlaufstelle geschafffen, sondern auch auf den Anstieg der Geburtenzahlen reagiert – ein Anstieg, der insbesondere durch die Schließung der Geburtshilfe im Helios Klinikum Überlingen erwartet wird. Im vergangenen Jahr begleiteten die Ravensburger Hebammen etwa 1.380 Geburten, darunter auch komplexe Fälle wie Zwillings- und Frühgeburten.
In einer Zeit, in der die geburtshilfliche Versorgung wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt, haben die Ravensburger Hebammen das Ziel, ihren Platz im System zu behaupten und eine hochwertige Versorgung für werdende Mütter und deren Familien sicherzustellen. Sie „reivindican“ ihren Platz und ihre Bedeutung im Gesundheitswesen und zeigen damit, dass engagierte Fachkräfte einen großen Einfluss auf die Qualität der Geburtshilfe haben.
Die Bildschirmzeitung berichtet über die Entwicklung am St. Elisabethen-Klinikum, während WordReference die Bedeutung des Begriffs „reivindicar“ erläutert, und BIFG auf die Herausforderungen und Verbesserungspotenziale in der geburtshilflichen Versorgung hinweist.